100 Jahre EWG Goldbach

September 20th, 2009
by Marc Stenger

Heute wollte ich eigentlich der beruhigenden Tätigkeit des Pilze Sammelns nachgehen. Schon lange in Planung war der letzte Versuch vor einer Woche kläglich gescheitert: Es gab keinen Pilz, keinen einzigen, es hatte vorher einfach nicht genügend geregnet.

Also Alternativvorschlag für einen Sonntag Nachmittag (der nicht von mir kam): 100 Jahre EWG Goldbach. Jedes Getränk und Essen für je 1 €. Naja. Klingt nach bevorzugter Veranstaltung notorischer RTL-Gucker. Nun gut, man will ja seine Freunde nicht versetzen, also geht man mit.

Ein kleines Volkfest mit Hüpfburg und einem 3-m-Durchmesser-Karussell für die Blagen, damit Mama und Papa sich für kleines Geld in Ruhe besaufen können. Ein Trio macht Musik und weiter hinten befindet sich ein Bierzelt mit Speis und Trank. Das Rindswurstbrötchen, das ich mir ausnahmsweise genehmige, schmeckt wenigstens. Ein Rundblick bestätigt Uromas Weisheit: “Der Herrgott hat einen großen Tiergarten”. Das tote Rind aus meinem Magen arbeitet sich bröckchenweise wieder nach oben:

Blond, schwarze Gucci-Brille (Frauen-Typus “Gucki” und “Tackliatelle mit Bilse”, sowie “Gnotschies” und “Ladde Matschiado”), violettes H&M-Westchen, schwarze Jeans und dann – Wildlederstiefel violett gefärbt, passend zur Schwedenkluft aus der City-Galerie. Zigarette Marke EVE-100 im Mund. Hinten am Horizont blitzt es bereits, über uns grau. Die Sonnenbrille bleibt auf, man muss ja Contenance bewahren. Die Band auf der Titanic hat ja auch bis zum bitteren Ende gespielt. Nächste Woche ist Wahl, hoffentlich ist dieser Stimmzettel ungültig, politisch völlig zwecklos.

Kaum wieder dem Kopfschütteln enflohen, schiebt sich ein Bauch von links in mein Blickfeld. Ungläubig sehe einen zu klein geratenen Bud Spencer an mir vorbeiziehen. Der Senf klebt im Vollbart. Schade, dass es nicht die ganze Wurst war. Vom Raumangebot her wäre das drin gewesen.

Kurz vor unserer Abreise kommt noch ein Allwissender zu uns an den Tisch und krakeelt mit lautem Organ zu unseren Mitsitzern (meiner persönliche Meinung nach waren das eher Mitesser): “Dridde November wisstä Beschaid? Esst Käsch un dann zumm XY. Isch hou des grood vom Häbädd erfohrn.” Danke für die Durchsage. Und Tschüß.

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